25. November 2011

penisse einrollen und egos an der garderobe abgeben - oooops.. da hat Jan Delay ja was losgetreten ;-)

Von Lukas Böhnlein
ursprünglich veröffentlicht im persönlichen Blog


Vorgestern kritisierte Jan Delay auf Google+ und auf Facebook die Vorgehensweise von "windigen" Abmahnanwälten, in seinen Augen "miese schweine". hier der vollständig klein geschriebene text:
"mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!"
In den Kommentaren wird Jan Delay teilweise für seinen "ehrlichen" Post hoch gelobt. Von vielen wird er aber auch heftig kritisiert. So schreibt beispielsweise Mark S. auf Google+: "- Künstler verkauft Musik an Label, bringt so seine Schäfchen in´s Trockene und fordert dann zu Gesetzesverletzungen auf, damit das Label nicht das was es gekauft hat zu Geld machen kann. Und das unter dem Deckmäntelchen eines verqueren mit gefährlichem Halbwissen gespickten Altruismus. Was für eine verlogene Scheisse!" In anderen Kommentaren wird darauf verwiesen, dass Raubkopien der Vielfalt an Musik schaden. Dies mag zwar teilweise wahr sein, vor allem wenn es um kostenintensive Produktionen (z.B. mit Orchester) geht. Die ganze Diskussion ist aber hinfällig, da es unmöglich ist der Problematik auf herkömmliche Weise zu lösen. Digitale Daten lassen sich nun mal nicht vor dem Kopieren schützen, außer man hält sie komplett unter Verschluss. Der einfache Verkauf von Audio Dateien, egal in welchem Format, hat keine Zukunft.

Heute mittag reagierte Jan mit einem etwas längeren Text. Der Post vom Mittwoch sei "vielleicht ein wenig impulsiv" gewesen, schreibt er wieder auf Google+ und Facebook. Unter anderem gibt er zu, doch finanziell von den Abmahnungen profitiert zu haben. Dies habe ihm aber erst seine Plattenfirma Universal mitgeteilt. (Nachtrag: Jan Delay schreibt, er werde die Einnahmen aus Abmahnungen für gemeinnützige Zwecke spenden.) Außerdem schreibt er:
ich rufe nicht dazu auf grundsätzlich musik zu klauen! ich rufe dazu auf, sich nicht beim saugen von schlechter - oder ohne herzblut gemachter musik erwischen zu lassen! und ich rufe dazu auf, künstler die man für gut befindet zu supporten indem man ihre musik kauft!
und weiter unten:
ich verlange ein neues system das gerecht an alle musikmachenden weiter verteilt. ich verlange das sich die 3 "großen" mit all den kleinen labels und all den wichtigen institutionen wie gema, gvl, rundfunk-rat und helmut schmidt zusammen an einen tisch setzen. dass sie ihre penisse wieder einrollen, ihre egos an der garderobe abgeben, und auch unter eingeständnissen von einbußen alle zusammen eine lösung finden die für jeden gerecht ist. für konsumenten, produzenten, hersteller und verbreiter.. ich verlange auch, daß man endlich wieder deutsche major-videos auf youtube gucken kann!! werdet euch einig! das ist echt peinlich! so läuft die neue welt nunmal! findet euch damit ab und findet ne lösung!

aber um all das zu bewerkstelligen, liebe geneigte leserschaft, liegt es an all euch konsumenten, ein bewußtsein dafür zu entwickeln, daß musik einen wert hat! da haben viele leute lange und hart ( ja, auch dieter bohlen! ) dafür gearbeitet damit ihr das dann auf eurer anlage pumpen könnt ( nein, nicht dieter bohlen! ).
Zum Schluss schreibt Jan Delay noch, was seiner Meinung nach Lösungen des Raubkopierer-Problems sein könnten. Dabei nennt er unter anderem eine Steuer auf Abspielgeräte oder eine Möglichkeit für Musikhörer ihr "schlechtes gewissen mit einem selbstbestimmten betrag frei [zu]kaufen. hat was kirchlich-mittelalterliches ;-)".

Richtig ist, dass das momentane Vergütungssystem ungerecht ist und keine Zukunft hat. Die Arbeit von Künstlern, Produzenten, Technikern usw. muss aber bezahlt werden, genau wie der Arbeiter am Fließband oder im Büro. Hier müssen sinnvolle Ideen her, bisher gibts da nämlich wenig brauchbares. Eine Vergütung auf freiwilliger Basis halte ich auch für falsch, denn keiner von uns würde sich freuen, wenn er als Bittsteller nur nach Belieben von Chefs oder Kunden bezahlt würde.  Ich finde es gut, wenn auch die Künstler wie Jan Delay sich hier an der Diskussion beteiligen, auch wenn die Vorschläge noch recht oberflächlich sind. Warum stellet Jan Delay nicht mal zwei drei Songs zum kostenlosen Download auf seine Homepage? Das wäre auch ein Beitrag gegen die Kriminalisierung von Musikkonsumenten, die sich erstmal ein Bild von seiner Musik machen wollen.

Kommentare:

  1. "Richtig ist, dass das momentane Vergütungssystem ungerecht ist und keine Zukunft hat."

    Warum nochmal? Das ist schlicht falsch.

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  2. Das momentane System benachteiligt oft diejenigen, die Musik, Filme oder Software ehrlich und legal kaufen. Da hat man oft Kopierschutz (bedeutet fehlerhafte Daten), Beschränkung auf bestimmte Abspielgeräte, teilweise (bei Filmen oder Serien) schlechtere Qualität. Wenn man sich die Sachen auf Rapidshare und co saugt hat man sofort eine perfekte Datei, kann diese so oft man will und wann man will abspielen und kopieren. Dazu kommt, dass man nichts bezahlt. Wie das dazu führen soll, dass die Leute einsehen Geld dafür auszugeben ist mir schleierhaft. Man muss doch einen Kaufanreiz bieten. Aber auch für die Künstler ist das Vergütungssystem (vor allem bei der GEMA) teilweise sehr ungerecht. Mit Moral kommen wir bei dem Thema nicht weiter, wir brauchen eine Möglichkeit, die Künstlern ein Einkommen verschafft und den Konsumenten die Möglichkeit gibt zu einem fairen Preis Musik oder andere Medien zu kaufen.

    Ich werde demnächst aber noch einen ausführlicheren Blogeintrag zu diesem Thema schreiben. Das wäre hier in diesem Beitrag wohl auch zu lang geworden.

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