11. November 2011

Weltrekord: EMI hat 1,3 Millionen Alben mit jeweils nur einem Song

Von Lukas Böhnlein
ursprünglich veröffentlicht im persönlichen Blog

Verschiedene Online-Ausgaben großer Zeitungen berichten unterschiedlich über den Verkauf des EMI Tonträgergeschäftes und des EMI Musikverlages. Teilweise enthalten die Nachrichten Widersprüche in sich. Wie es wirklich war bleibt dabei unklar.

Laut dem Focus wurde die EMI-Tonträgersparte von der Citigroup an Universal verkauft. Universal gehört zum Vivendi Konzern. Der kaufpreis: 1,2 Mrd. Pfund bzw. 1,4 Mrd. Dollar. Der Musikverlag mit 1,3 Millionen Songs geht an Sony.

Bei der Financial Times Deutschland beträgt der Kaufpreis für die Tonträgersparte 1,9 Mrd. US-Dollar. Hier ist die Rede von 1,3 Millionen Alben (nicht Songs).

Das Handelsblatt schreibt von 1,4 Mrd. Euro (also ca 1,9 Mrd. Dollar) für die Tonträgersparte. Beim Preis für den Musikverlag wird die Währung gewechselt, hier sind es 2,2 Mrd. Dollar. Für die Leser wären Zusammenhänge sicherlich nicht schwieriger zu verstehen, wenn einheitliche Währungen angegeben wären.

In der FAZ ist der Kaufpreis für den Tonträger Zweig von EMI ebenfalls 1,9 Mrd. Dollar. Hier wird allerdings im Titel behauptet, auch der EMI Musikverlag gehe an Universal (nicht an Sony, wie es in den anderen Medien heißt), für knapp 2 Mrd. Dollar. Hier handelt es sich wohl um eine Verwechslung von Tonträgergeschäft und Musikverlag, denn knapp 2 Mrd. Dollar ist ja etwa das gleiche wie 1,9 Mrd. Dollar.

Musikindustrie: Universal kauft EMI-Tonträgersparte - Der Musikkonzern Universal übernimmt den Musikverlag des Konkurrenten EMI für fast 2 Milliarden Dollar.
faz.net am 11.11.2011


Am wenigsten Mühe hat sich die Neue Züricher Zeitung gemacht: Im Artikel "Musikgeschäft von EMI für 1,2 Milliarden Pfund verkauft" wird das EMI-Tonträgergeschäft von Vivendi an Universal verkauft, wobei Universal zur Vivendi-Gruppe gehört. Weiter unten steht aber trotzdem, dass EMI bisher zur Citigroup gehörte. Kann ich mir den Lamborghini meines Nachbars auch selbst verkaufen? Der EMI Musikverlag "mit Rechten an 1,3 Millionen Songs" geht an Sony.
Für was die 1,2 Mrd. Pfund aus der Überschrift bezahlt werden wird nicht erwähnt. Aber anscheinend "wechselt die Plattenfirma [...] für insgesamt 2,6 Mrd. Pfund den Besitzer".


nzz.ch am 11.11.2011

Hier wurde einfach schlampig gearbeitet. Mal sind es Songs, dann wieder Alben, Zahlen und Fakten wurden falsch in Zusammenhang gebracht. Wie wärs mit Korrektut lesen der Artike?

Nachtrag (14.11.11):
Die FAZ hat inzwischen ihren Artikel verbessert und die Überschrift geändert. Dort heißt es nun:"EMI wird zerschlagen". Ich hatte zu dem Artikel einen Kommentar geschrieben, in dem ich auf die Fehler aufmerksam gemacht hatte. Der Kommentar wurde nicht freigeschaltet. Die Änderung des Artikels wird nicht kenntlich gemacht.


Verbesserter FAZ-Artikel über den Verkauf von EMI

Unter dem Artikel befindet sich ein Link auf eine Seite zur Verwertung von Urheberrechten der FAZ. Dort fand ich folgendes interessantes Zitat:
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gilt als eine der besten Zeitungen der Welt. Auch die übrigen Publikationen aus dem Hause Frankfurter Allgemeine Zeitung lösen ihr hohes Qualitätsversprechen ein. Sie stehen für besonders gründliche Recherche, ausgewogene und fundierte Berichterstattung sowie seriöse und stets verlässliche Information. Sie fungieren als zentrales Leit- und Orientierungsmedium.



Kommentare:

  1. "Wie wärs mit Korrektut lesen der Artike?"
    Hab ich da die Ironie-Tags übersehen oder sollte man evtl. nochmal Korrektur lesen? :)

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  2. Wenn jemand Tags braucht um offensichtliche Ironie zu erkennen der hat den Sinn von Ironie offensichtlich nicht verstanden.

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  3. Zum ersten Kommentar: Da bin ich mir auch nicht so sicher...

    Zum Text: Mal wieder ein Paradebeispiel für ein Problem, über das ich mich schon seit Jahren immer (wieder) stärker aufregen kann: Die zunehmenden Mängel in Rechtschreibung und Satzbau, die einem vermeintlichen Zeitdruck geopfert werden(?), sowie ein offensichtlich oft vorherrschendes völliges Desinteresse an den Themen und Fakten. Es geht einzig und allein um Meldungen an sich. 'Eil-'Meldungen totaler Irrelevanz, falsche Zusammenhänge, keine Information - einfach nur Content. Und Urheberrechtsklagen en masse, obwohl die eigenen Inhalte doch auch nur noch von Presseagenturen abgekupfert werden...

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  4. Auch ich hatte in der FAZ zu dem Artikel nett auf die Verwechslung von Plattenfirma mit Musikverlag in einem Kommentar hingewiesen. Auch dieser Kommentar erschien nicht.
    .
    Übrigens: Das ist ein seit Jahren immer wieder auftauchender Fehler in den Gazetten, dass eine Plattenfirma mit einem Musikverlag velwechsert wird. Mein EIndruck inzwischen: die Journalisten kennen schlicht nicht den Unterschied. Mit meinen berichtigenden (und oft am Beispiel der BEATLES - EMI vs. Northern Songs - erklärenden Leserbriefkommentaren komm' ich mir langsam wie ein Spinner vor. Ich berichtige & erkläre, immer wieder, doch sie lernen's einfach nicht.
    .
    Und es sind nicht nur Journalisten. Sogar die hochverehrten Bob-Dylan-Buch-Übersetzer, Frau Passig und Herr Henschel (den ich besonders schätze) bezeichnen in "Chronicles" die recht bekannten amerikanische Musikverlage Leeds Music, Witmark Music erschreckend ahnungslos als "Plattenfirma", sogar als "traditionelle Pattenfirma". Obwohl doch jeder Dylan-Fan weiß, auf welchem Label die Platten erscheinen; ein Witmark-Label wird man da vergeblich suchen.
    - Jeeves

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  5. "Und Urheberrechtsklagen en masse, obwohl die eigenen Inhalte doch auch nur noch von Presseagenturen abgekupfert werden..."
    .
    1) FAZ,SZ,ZEIT...: Urheberrechtsklagen en masse?
    2) Die Zeitungen bezahlen die Presseagenturen.
    - Klaus

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  6. Zum ersten Kommentar: "Hab ich da die Ironie-Tags übersehen oder sollte man evtl. nochmal Korrektur lesen? :)"

    Ich kenne mich leider nicht so gut mit HTML aus und hab deshalb keine Ahnung, wie man Ironie-Tags macht :)

    Zum dritten Kommentar: Deshalb hab ich den Text geschrieben.

    Zum fünften Kommentar:
    "Das ist ein seit Jahren immer wieder auftauchender Fehler in den Gazetten, dass eine Plattenfirma mit einem Musikverlag velwechsert wird"

    Ja, aber ich finde es in diesem Fall um so schlimmer, weil ja im selben Artikel auch über den Verkauf des Musikverlages berichtet wird. So wird der Artikel - nicht nur für Laien - absolut unverständlich.

    Übrigens noch ein schöner Tippfehler in der FAZ:
    "...Bertelsmann musste sich iderweil m Bietergefecht (...) geschlagen geben.

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  7. @ 14. November 2011 10:58

    Die Rechtschreibmängel werden dem Zeitdruck geopfert? Das regt Sie auf? Nicht doch.

    (Werde diesen Kommentar extra für Sie nicht zweimal lesen, damit Sie beim Korrekturlesen etwas Zeit sparen können.)

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