30. November 2015

Überspannte Kreativität im neuen Steve Jobs Film

von Lukas Böhnlein und Lara Schimweg

In den Kinos läuft derzeit der Film „Steve Jobs“ von Aaron Sorkin und Walter Isaacson. Steve Jobs war ein Innovator nicht nur auf dem Computer- und Technikmarkt. Er beeinflusste auch maßgeblich das Musikbusiness und die Filmindustrie. Die Apple-Produkte stehen für ansprechendes Design. Sie werden ebenso geliebt, wie gehasst. Die Person Steve Jobs dürfte also interessant sein, vor allem auch für Kreative. Und der Film?


Michael Fassbender als Steve Jobs © Universal Pictures

Steve Jobs (gespielt von Michael Fassbender) präsentiert neue Produkte – darum geht es im Wesentlichen. Und jedes mal gibt es kurz vor der Präsentation Schwierigkeiten: Mal mit der Technik, mal mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern oder mit Chrisann Brennan, der Mutter seiner verleugneten Tochter Lisa – meistens mit allen auf einmal. Jobs wird klischeehaft als Workaholic dargestellt, dem seine Arbeit wichtiger ist als die Familie. Die Ehe mit Laurene Powell, aus der drei weitere Kinder hervorgingen, bleibt unerwähnt – das Bild des herzlosen Vaters würde wohl brüchig werden. Später nähern sich Jobs und seine erste Tochter Lisa im Film aber an. Ihr tragbarer Kassettenplayer inspiriert Steve Jobs den iPod zu entwerfen. Diese Darstellung wirkt etwas platt, wie viele andere Szenen.
Die Produktpräsentationen werden im Film zum Schaufenster, durch das wir in Jobs Leben blicken sollen. In Wirklichkeit haben all diese Ereignisse natürlich nicht immer kurz vor der Vorstellung neuer Produkte stattgefunden – wenn überhaupt. Der Film geht sehr kreativ mit Jobs Biografie um, so dass man sich durchaus fragen kann, warum es sich lohnt den Film anzuschauen. Kann man als Kreativer etwas aus dem Film mitnehmen?

Steve Jobs (Fassbender) und Steve Wozniak (Rogen)
© Universal Pictures
Vielleicht aus dieser Szene, in der Steve Wozniak (Seth Rogen) seinem Namensvetter Steve Jobs vorwirft, dass er eigentlich keinerlei Kompetenzen besäße:
„You can't write code... you're not an engineer... you're not a designer... you can't put a hammer to a nail. I built the circuit board. The graphical interface was stolen from Xerox Parc. Jef Raskin was the leader of the Mac team before you threw him off his own project! Someone else designed the box! So how come ten times in a day, I read Steve Jobs is a genius? What do you do?“
Steve Jobs antwortet: „I play the orchestra, and you're a good musician. You sit right there and you're the best in your row.“
Vielleicht kann man für sich daraus die Erkenntnis ziehen, dass Kreativschaffende nicht alles beherrschen müssen. Der Komponist muss die Klarinette nicht spielen können – nicht mal Notenkenntnisse sind zwingend erforderlich - und der Architekt muss nicht unbedingt mauern können, um ein Meisterwerk zu schaffen. Ob dieses Gespräch wirklich stattgefunden hat, spielt dabei keine Rolle.


Ob sich der Kinobesuch wirklich lohnt, entscheidet jeder selbst.
Wir freuen uns über Feedback und eine rege Diskussion.

Trailer


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